Im Prozess gegen den ältesten Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat die Staatsanwaltschaft sieben Jahre und sieben Monate Haft für Marius Borg Høiby gefordert. „Vergewaltigung kann dauerhafte Folgen haben und Leben zerstören“, sagte Staatsanwalt Sturla Henriksbö am Mittwoch vor Gericht in Oslo. Die Zeit, die der 29-Jährige bereits in der Untersuchungshaft verbracht hat, soll von der Haftstrafe abgezogen werden. Dabei handelt es sich nach Aussage der Staatsanwaltschaft um bislang 63 Tage. Außerdem verlangte die Anklage ein zweijähriges Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin. Das Urteil wird erst in einigen Monaten erwartet. Marius Borg Høiby ist in 40 Punkten angeklagt, ihm werden unter anderem vier Vergewaltigungen vorgeworfen. Die schwersten Taten soll er begangen haben, während die mutmaßlichen Opfer schliefen und er sie währenddessen filmte. In 39 der besagten 40 Anklagepunkte müsse Høiby auch verurteilt werden, forderte die Strafverfolgung nun in Oslo. Lediglich für einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot solle der Angeklagte freigesprochen werden. In diesem Fall soll Høiby seine Ex-Freundin trotz des Verbots versehentlich angerufen haben. In seinem Plädoyer war Staatsanwalt Sturla Henriksbø zuvor hart mit dem Angeklagten ins Gericht gegangen. „Wir haben einen Mann erlebt, der sich nimmt, was er will, und nicht unbedingt darauf bedacht ist, bei einer After-Party bei dem Mädchen, das auf seinem Schoß sitzt, nachzufragen, ob es ihr recht ist, dass er sie berührt“, sagte Henriksbø am vergangenen Montag. Ebenso scheine Høiby nicht besonders darüber nachzudenken, ob Frauen es „in Ordnung finden, dass er noch einmal Sex mit ihnen hat, nachdem sie eingeschlafen sind“. Der 29-Jährige ist unter anderem in vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht angeklagt. In allen Fällen sollen die Frauen während der Tat geschlafen beziehungsweise ein Blackout gehabt haben. „Marius Borg Høiby ist kein Monster“, sagt er dann noch Høiby habe nicht nur mangelnden Respekt für Normen und Regeln gezeigt, sondern auch, dass er in Beziehungen unterschiedliche Maßstäbe für sich selbst und andere anlege. Henriksbø sprach von dem Angeklagten als „Mann mit einem Aggressionsproblem, der eifersüchtig ist und der insbesondere im Rausch außer Kontrolle geraten kann“. „Er kann die Beherrschung verlieren, ausrasten, schreien. Handys und Messer werfen. Löcher in die Wand hauen.“ Auch die Vorwürfe, dass Høiby Frauen gewürgt, geschlagen und angespuckt haben soll, sprach der Staatsanwalt an. „Marius Borg Høiby ist kein Monster“, sagte Henriksbø aber auch. Der 29-Jährige sei ein Mensch wie jeder andere. Damit reagierte der Staatsanwalt auf Høibys eigene Aussage vom vergangenen Freitag, in der er sich als Monster in der öffentlichen Wahrnehmung und „Hassobjekt von ganz Norwegen“ bezeichnet hatte. Immer wieder kritisierte Mette-Marits Sohn die Presse Der in Jeans und Polohemd gekleidete Angeklagte zeigte keine Regung bei der Strafmaßforderung der Anklage. Als Höchststrafe drohen Høiby bis zu 16 Jahre Haft. Neben den Sexual- und Gewalttaten werden dem Stiefsohn von Kronprinz Haakon noch einige weniger schwere Vergehen vorgeworfen. Er soll etwa zu schnell gefahren sein und Polizisten den Stinkefinger gezeigt haben. Für einen Dealer soll er mindestens 3,5 Kilo Marihuana transportiert haben. Während er einige der Taten zugibt, bestreitet Høiby unter anderem die Vergewaltigungen. Mette-Marits Sohn hatte während der vergangenen Wochen immer wieder darüber gesprochen, wie sehr es ihn seit seiner frühen Kindheit belastet habe, unfreiwillig in der Öffentlichkeit zu stehen. Høiby war noch ein Kleinkind, als seine Mutter den norwegischen Kronprinzen Haakon heiratete. Mehrfach klagte Høiby die Presse bitter dafür an, ihn verfolgt und bloßgestellt zu haben, während er seine Mutter und seinen Stiefvater Haakon in Schutz nahm. Den Prozess musste der 29-Jährige ohne seine Familie durchstehen: Das Kronprinzenpaar sowie Høibys Halbgeschwister, Prinzessin Ingrid Alexandra und Prinz Sverre Magnus, blieben der Verhandlung fern.