Welt 23.04.2026
12:41 Uhr

Tricks, Dunks, Comedy und Popcorn


Die Harlem Globetrotters kommen nach Hamburg und bringen mit, was sie seit fast 100 Jahren unschlagbar macht – und genau das dürfte die Halle zum Toben bringen. Interessant ist die Geschichte hinter der Formation.

Tricks, Dunks, Comedy und Popcorn

Anfang April ging ein erstaunlicher Videoclip um die Welt: Papst Leo XIV. ließ im Vatikan lässig einen Basketball auf seinem Zeigefinger kreiseln. Dezent unterstützt wurde der 70-Jährige dabei von einem Spieler der Harlem Globetrotters. Nun gastiert das berühmte Basketball-Team aus den USA in der Inselpark Arena in Wilhelmsburg. Am Sonntag (Beginn 18 Uhr) gibt es in der Halle der Hamburg Towers so viele Dunks, Tricks und Faxen zu sehen, wie wohl noch nie zuvor. Wenn ein Pass durch die eigenen Beine und die des Gegners gespielt wird, wenn ein Dunk spektakulärer ist als der andere und sogar der Schiedsrichter Teil der Show ist, dann hat das Ganze mit einem normalen Basketballspiel nichts zu tun. Willkommen bei den Harlem Globetrotters – jener weltbekannten Formation, die seit rund einem Jahrhundert Sport und Show verbindet. Rückblick: 1926 wurde ein erstes Team unter dem einprägsamen Namen in Chicago gegründet. Am 7. Januar 1927 folgte das erste offizielle Spiel der Harlem Globetrotters in Hinkley/Illinois. Zunächst ging es nicht um eine perfekt choreografierte Show. Zu Zeiten der Rassentrennung war es deutlich wichtiger, ein Spielfeld beziehungsweise einen ordentlichen Rahmen für hochtalentierte schwarze Basketballer zu schaffen. Das Projekt nahm schnell Fahrt auf und ein Duell im Februar des Jahres 1948 weckte schließlich große mediale Aufmerksamkeit. Die Fun-Truppe der Globetrotters traf auf die ambitionierten Minneapolis Lakers. Vor über 17.000 Fans waren die Lakers der klare Favorit. Sie galten damals als das beste, weiße Profiteam – doch sie wurden entzaubert. Die schwarzen Globetrotters gewannen 61:59 – ein Buzzer-Beater von Ermer Robinson besiegelte die Sensation. Interessant: Die heutige NBA, die amerikanische Profiliga, wurde am 3. August 1949 gegründet. Bereits in der ersten Saison 1946/47 bestand die Liga aus elf Teams, die in zwei Divisionen aufgeteilt waren. In der Eastern Division spielten die Boston Celtics, die New York Knicks, die Philadelphia Warriors, die Providence Steamrollers, die Toronto Huskies sowie die Washington Capitols. In der West-Liga spielten die Chicago Stags, die Cleveland Rebels, die Detroit Falcons, die Pittsburgh Ironmen und die St. Louis Bombers. Einen Schwarzen sucht man in diesen Teams vergeblich. Blütezeit in den 1960er- und 1980er-Jahren Ein gewisser Nat Clifton war schließlich der erste Afroamerikaner, der im Mai 1950 einen Profivertrag in der NBA unterschrieb. Er lief für die New York Knicks auf und war zuvor einer der großen Stars der Harlem Globetrotters. In insgesamt sieben Spielzeiten zählte Clifton zu den wertvollsten Profis der erfolgreichen Knicks. Nun würde es zu weit führen, die Historie und die Bedeutung der Globetrotters noch näher zu beleuchten – ein Highlight muss aber noch erwähnt werden: Am 22. August 1951 traten sie vor rund 75.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion auf. Die Reisekosten wurden aus der US-Staatskasse erstattet. Die Basketball-Show war Teil einer Kampagne gegen die kommunistischen Tendenzen im russisch besetzten Teil der Stadt. Die eigentliche Blütezeit des Phänomens Harlem Globetrotters lag zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren. In diesen Jahrzehnten wurden die besten Spieler zu Popstars des Sports. Sie füllten Arenen rund um den Globus – von Nordamerika über Europa bis nach Asien. Seit 1982 hat das Team einen Stern auf dem „Walk of Fame“ in Hollywood. Auch in Deutschland gastierten sie regelmäßig vor ausverkauften Hallen. Basketball wurde erfolgreich als reine Show, als Familienereignis, als Sensation inszeniert. Eine Legende, die mit dieser Zeit in Verbindung gebracht wird, ist Fred „Curly“ Neal. Der beliebte Glatzkopf spielte von 1963 bis 1985 eine herausragende Rolle. Im Laufe seiner unglaublichen Karriere absolvierte er über 6000 Spiele in 97 Ländern. Bis heute gehört zur Show, was man im klassischen Basketball nicht findet: akrobatische Dunks mit oder ohne Trampolin, präzise Würfe aus großen Distanzen und Höhen, Tricks, die eher an Zauberei erinnern als an regelgerechten Sport. Spieler wie Corey Thunder Law haben diese Kunst mit diversen Weltrekorden gekrönt. Etliche sensationelle Auftritte beförderten Globetrotters wieder und wieder ins Guinness-Buch der Weltrekorde. Ach ja – bereits 1942 lief mit Bob Karstens erstmals ein weißer Spieler für das Team auf. Mit Lynette Woodard wurde 1985 zudem erstmals eine Frau Teil des Teams. Woodard war zuvor Spielführerin der US-Nationalmannschaft, die bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles die Goldmedaille gewann. Keine Frage: Die Globetrotters standen somit nicht nur für Show, Spaß und Spektakel, sondern eben auch für maximale Offenheit. Tour mehrfach rund um die Welt Ihre Reisen führten die Trotters in mehr als 100 Länder, zu Staatschefs und sogar in den Vatikan. Päpste wie John Paul II, Franziskus und jüngst Papst Leo empfingen die Spieler, die als Botschafter ihres Sports angesehen werden. Doch bei aller Bewunderung bleibt auch nach insgesamt über 26.000 Auftritten ein ewiger Einwand: Kritiker vermissen den echten Wettbewerb, den offenen Ausgang, die packenden Zweikämpfe. Das kann man so sehen, aber es geht eben nicht um Tabellen, Meisterschaften und Trophäen. Die Globetrotters sind ein Wanderzirkus. Eine Truppe, die Spaß macht und keinem weh tut. In Deutschland funktioniert dieses Konzept seit gut 70 Jahren. In dieser Saison stehen im Rahmen der „100 Years World Tour“ 15 Shows auf dem Plan – am Sonntag zaubern sie in Wilhelmsburg. Mit dabei sind die Guinness-Weltrekordhalter Thunder Law (u.a. längster Alley-Oop), Too Tall Winston (meiste Korbleger in einer Minute), Dribbelkönig Wham Middleton sowie Jahmani „Hot Shot“ Swanson, der mit nur 1,35 Metern Größe kleinste Spieler aller Zeiten. Sieben unfassbar gute Frauen komplettieren den bunten Haufen, der angeblich auf die Anweisungen von Trainerlegende „Sweet“ Lou Dunbar hört. Weitere Infos zur Tour: harlemglobetrotters-deutschland.de