Nahe Kaliningrad und im Norden Norwegens sind am Dienstag ungewöhnlich viele Nato-Militärflugzeuge aufgestiegen – und das inmitten hoher Spannungen mit Russland und Sorgen einer russischen Eskalation an der Ostflanke der Nato. Im Online-Netzwerk X machten einige Beobachter auf die Flugaktivitäten eines Nato-Aufklärungsflugzeugs Awacs sowie eines US-Militärflugzeugs für elektronische Kampfführung aufmerksam. Ein Nato-Sprecher sagte dem „Berlin Playbook“ der WELT-Partnerpublikation „Politico“: „Die Nato ist ein Verteidigungsbündnis, und die Bündnispartner verbessern kontinuierlich ihre Verteidigungsfähigkeiten.“ An dem Einsatz seien „US-amerikanische und norwegische Kampfflugzeuge, polnische Bodentruppen, ein E-3A-Luftüberwachungs- und -kontrollsystem (Awacs) der Nato und weitere Kräfte beteiligt“ gewesen. Der Einsatz sei von den USA geleitet worden. Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München kommentierte den Vorgang am Dienstag auf X mit den Worten: „Heute gab es eine beträchtliche Konzentration von Luftstreitkräften rund um Kaliningrad. Man kann nur hoffen, dass Russland die Botschaft verstanden hat.“ Vor zwei Wochen hatte Litauens Regierung gewarnt, dem Militärgeheimdienst lägen Informationen vor, wonach Russland Angriffe auf kritische Infrastruktur in den baltischen Staaten unter Einsatz ukrainischer Drohnen erwägen könnte. Einem Bericht des Onlineportals „ 15min.lt (verlinkt auf https://www.15min.lt/naujiena/aktualu/lietuva/karine-zvalgyba-rusija-svarsto-smugius-baltijos-regione-ukrainos-gamybos-dronais-56-2736860) “ zufolge könnte Russland abgefangene ukrainische Drohnen einsetzen, um die Herkunft eines möglichen Angriffs auf Nato-Gebiet zu verschleiern und diesen zu bestreiten. „Wir sprechen hier von einer möglichen ‚False-Flag‘-Operation, bei der eine gefälschte ukrainische Drohne eingesetzt wird. Dies ist wohl das realistischste Szenario, das derzeit geprüft wird“, sagte Verteidigungsminister Robertas Kaunas. US-Geheimdienste halten es Medienberichten zufolge für möglich (verlinkt auf https://www.welt.de/politik/ausland/article6a75c154e04765407d9a290d/ukraine-krieg-putin-koennte-nato-binnen-weniger-wochen-angreifen-warnen-die-us-geheimdienste.html) , dass Russland zwischen diesem Herbst und 2029 mit einer begrenzten Attacke die Entschlossenheit der Nato testet. Als Szenarien gelten Cyberangriffe, der Einsatz nicht gekennzeichneter Soldaten oder ein begrenzter Einmarsch an der Ostflanke. Ziel eines solchen Vorgehens könnte sein, das Bündnis zu spalten; die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Eindringens gilt derzeit jedoch als gering.