Was möglich ist, wenn Politik, Verwaltung, städtische Unternehmen und private Wohnungswirtschaft an einem Strang ziehen, zeigt das Hamburger Bündnis für das Wohnen. Mit verbindlichen Neubauzielen, klaren Regeln und gemeinsamer Disziplin hat es die Stadt Hamburg im Schulterschluss mit der Wohnungswirtschaft geschafft, worum viele Bundesländer sie beneidet: Trotz Fachkräftemangel und Baukostenkrise werden hier kontinuierlich neue Wohnungen gebaut. Ein Modell, das bundesweit Aufmerksamkeit weckt – und zugleich vor der Frage steht, wie es unter den neuen Rahmenbedingungen weitergehen kann. Um die erfolgreiche Arbeit der zurückliegenden 15 Jahre fortzuführen, haben die Bündnispartner aus Senat, Wohnungswirtschaft und Hamburger Bezirken am Mittwoch im Rathaus die Vereinbarung für die nächsten vier Jahre unterzeichnet. „Die Zahl der Baugenehmigungen steigt trotz Baukrise wieder. 2025 wurden über 6500 Wohnungen genehmigt“, sagte Hamburg Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD). „Dies beruht auf einer guten Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Wohnungswirtschaft im Bündnis für das Wohnen, das wir heute erneuert haben.“ Das Ziel ist klar: Die Hamburger mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen und so den Wohnungsmarkt insgesamt zu entlasten. Neben dem Neubau spielt ebenso der Bestandsumbau in der just unterzeichneten Erklärung eine zentrale Rolle. Hier soll die Wärmeversorgung der Wohngebäude schnellstmöglich auf erneuerbare Energien umgestellt und der Energieverbrauch durch maßvolle energetische Sanierung reduziert werden. Ähnlich dem Vorgehen zur Reduzierung der Neubaukosten im Hamburg-Standard wollen die Bündnispartner auch gemeinsam prüfen, wie Modernisierungs- und Betriebskosten auch hier gesenkt werden können. Dass die Allianz funktioniert, zeigt die Bilanz: In den vergangenen 15 Jahren wurden in Hamburg rund 145.000 Wohnungen genehmigt und über 110.000 neue Wohnungen fertiggestellt, davon allein über 30.000 neue Sozialwohnungen. Auch die im Metropolenvergleich moderate Durchschnittsmiete von 9,11 Euro pro Quadratmeter, welche die aktuelle Hamburger Mietenstudie ausweist, zeigt, dass die kooperative Wohnungsbaupolitik des Bündnisses erfolgreich ist und die Situation des Hamburger Wohnungsmarktes trotz anhaltender Krisenlagen positiv beeinflusst. „Eine Kultur des Ermöglichens leben“ „Das Bündnis für das Wohnen ist eine Partnerschaft, auf die Hamburg wahrlich stolz sein kann“, sagte Karen Pein (SPD), Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen. Gerade in den anhaltenden Krisenzeiten gelinge es, die Herausforderungen im Wohnungsmarkt gemeinsam anzugehen. „Wir wollen zusammen eine Kultur des Ermöglichens leben, denn die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum bleibt hoch. Daher ist der Neubau für alle Bündnispartner weiterhin der zentrale Schlüssel. Die Stadt Hamburg ermögliche schon jetzt durch zielgerichtete Maßnahmen etwa zur Erleichterung von Dachgeschossausbauten und Aufstockungen sowie zur Senkung von Baukosten und zur Verfahrensbeschleunigung eine positive Entwicklung. Katharina Fegebank (Grüne), Senatorin für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft, fügte hinzu: „Während auf Bundesebene beim Klimaschutz auf die Bremse getreten wird, machen wir in Hamburg die Dekarbonisierung zur politischen Priorität. Wir bringen die klimaneutrale Wärme- und Energieversorgung mit Hochdruck voran.“ Andreas Breitner, Verbandsdirektor des Verbands der Norddeutschen Wohnungsunternehmen (VNW) lobte den Hamburger Weg in der Wohnungspolitik als einen engen Dialog aller Verantwortlichen. „Wer in der Hansestadt in Steine investieren will, wird nicht wie ein Renditehai geächtet, sondern auf Augenhöhe als Vertragspartner wahrgenommen. Das ist ein kaufmännisch-hanseatischer Umgang, der sich auch im neuen Bündnis widerspiegelt.“ Der Dialog überdecke aber keine Konflikte, sondern ordne sie ein. Themen mit Konfliktpotenzial. gebe es viele. Etwa Erbbaurecht, Grundstücksverfügbarkeiten, Baukosten, Klimaneutralität, Mietrecht. Themen, so Breitner, die im Bündnis im Konsens zu Kompromissen entwickelt würden. „Das ist der Wert unserer Vertragsunterschriften.“