Welt 31.05.2026
02:41 Uhr

Zukunftsängste und hohe Kosten bremsen den Kinderwunsch vieler Deutscher


Viele Menschen in Deutschland verzichten einer Studie zufolge nicht aus mangelndem Kinderwunsch auf eine Familie, sondern wegen finanzieller Belastungen, Zukunftssorgen und unzureichender staatlicher Unterstützung. Berufliche Gründe verlieren an Bedeutung.

Zukunftsängste und hohe Kosten bremsen den Kinderwunsch vieler Deutscher

Der Rückgang der Geburtenrate in Deutschland ist nach einer neuen Studie vor allem auf wachsende Unsicherheit und Zukunftssorgen zurückzuführen. Nicht fehlende Familienwünsche, sondern finanzielle Belastungen, Sorgen um die Zukunft der Kinder und als unzureichend empfundene staatliche Rahmenbedingungen hielten viele Menschen von einer Familiengründung ab, teilte die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg mit. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 2000 Erwachsenen durch das Meinungsforschungsinstitut GfK. Den Angaben zufolge nennen zwei Drittel der Befragten die Kosten von Kindern als Grund dafür, dass viele Menschen keine Familie gründen. Fast sechs von zehn verweisen auf eine unsichere Zukunft für Kinder. Mehr als die Hälfte sieht fehlende staatliche Voraussetzungen als Hindernis. Ebenfalls häufig genannt werden der Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit sowie das Fehlen eines passenden Partners. Laut der Stiftung bekommen in Deutschland derzeit statistisch 100 Frauen 135 Kinder. Vor zehn Jahren waren es noch 159 Kinder. Beruf und Karriere werden seltener zum Hindernis Im Vergleich zu einer entsprechenden Erhebung vor zehn Jahren haben sich die Motive nach Angaben der Stiftung deutlich verschoben. So wird die Sorge um eine gute Zukunft für Kinder heute wesentlich häufiger genannt als 2016 (plus 13 Prozent). Auch die Kritik an den staatlichen Rahmenbedingungen hat zugenommen (plus 14 Prozent). Dagegen spielen berufliche Gründe eine geringere Rolle als früher. Sowohl die Einschätzung, Karriere und Familie ließen sich schwer vereinbaren (minus 8 Prozent), als auch die Priorisierung beruflichen Erfolgs vor einer Familiengründung (minus 12 Prozent) werden seltener genannt. Der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Ulrich Reinhardt, erklärte, heute stünden weniger berufliche Gegensätze zur Familie im Vordergrund als fehlende Rahmenbedingungen. „In einer Zeit gefühlter Unsicherheit sorgen sich viele Bürger, ob die eigenen Kinder noch sicher und in Wohlstand leben werden.“ Unterschiede zeigen sich auch zwischen Frauen und Männern. Frauen nennen häufiger das Fehlen eines geeigneten Partners als Grund gegen eine Familiengründung, während Männer öfter angeben, der beruflichen Karriere Vorrang einzuräumen.