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19.03.2026
08:26 Uhr
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Nach Schultheater-Aufführungen wird wie wild applaudiert – und viel gelogen. Was wäre so schlimm daran, den Darstellern die Wahrheit zu sagen? Die Lehrerkolumne

"Nicht ich, Chef! Bitte nicht! Ich mache alles andere, würde sogar die Aufsicht bei der Kunstklausur nächsten Mittwochnachmittag machen, aber das wirklich nicht." Kunstklausuren dauern viereinhalb Stunden und ich fand, das war ein faires Angebot, aber der Chef hörte mir gar nicht richtig zu, weil Angelika, die Schulsekretärin, ihm schon wieder einen Anruf auf sein Telefon gelegt hatte. "Das machen Sie schon, lieber Arenz. Sie sind ja selber so was wie ein Künstler." Damit war ich entlassen. Als so was wie ein Künstler war ich also prädestiniert, mich morgen Abend um die Schultheateraufführung zu kümmern, weil die Kollegin plötzlich erkrankt war. Das ist kein seltener Mechanismus bei der Schulleitung. Wenn man Kunstlehrerin ist, hat man sich um die Illustrationen des Jahresberichts und vielleicht noch das Lehrerfoto zu kümmern. Die Sportkolleginnen müssen bei den alljährlichen Infoabenden und bei den Schulfesten die Kinderbetreuung in den Sporthallen übernehmen. Die Fachschaft Biologie pflegt den Schulgarten, und die Musiklehrerinnen organisieren die Schulkonzerte.