|
01.06.2026
07:56 Uhr
|
Dauert die Fahrt auf einer Autobahn in Italien länger als üblich, gibt es künftig Geld zurück, teils schon ab wenig Verspätung. Für Ausländer ist der Prozess kompliziert.

Wer für die Nutzung einer italienischen Autobahn zahlt und wegen einer Baustelle lange im Stau steht, bekommt künftig Geld zurückerstattet. Nach der neuen Regelung müssen die Autobahnbetreiber in Italien Kundinnen und Kunden die Maut teilweise oder ganz zurückzahlen, sollte die normale Fahrtzeit deutlich überschritten werden. Autofahrer sollen bereits Geld zurückbekommen, wenn die Fahrt auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern zehn Minuten länger dauert als üblich. Bei längeren Strecken muss die Verspätung größer sein. Bei mehr als zwei Stunden gibt es nach den Vorgaben der Verkehrsbehörde in der Regel die gesamte Maut zurück. Gezahlt werden muss die Erstattung erst, wenn der Erstattungsbetrag mehr als einen Euro beträgt. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia rechnete vor, dass es 75 Prozent zurückgibt, wenn man auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger braucht als üblich. Bei einer Stunde wird der gesamte Betrag erstattet. Kein Geld gibt es zurück, wenn es sich um sogenannte Notfall-Baustellen handelt, bei Unfällen oder bei wetterbedingten Störungen. Das neue System soll bis Dezember dieses Jahres komplett einsatzbereit sein. Rückzahlung für Ausländer schwierig Auf Italiens Autobahnen sind jedes Jahr auch sehr viele Deutsche unterwegs. Auf dem Weg nach Südtirol , in die Toskana oder noch weiter in den Süden wird auch in diesem Jahr reger Betrieb erwartet. Die Entschädigung kann über eine App beantragt werden, in der alle Betreiber von Italiens privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind. Die Regelung gilt grundsätzlich auch für Autofahrer aus dem Ausland. Allerdings braucht man eine italienische Steuernummer, um sich in der App registrieren zu können. Dies ist auch für Nichtitaliener möglich, aber umständlich. Helfen kann beispielsweise die deutsche Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft in Berlin. »Italien zählt zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa. Und kompliziert ist das System obendrein«, kritisierte der ADAC. Kritik vom Verbraucherschutz Die Neuregelung wurde von der rechtspopulistischen italienischen Regierung vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini bezeichnet den Beschluss als »Wendepunkt« für die Umsetzung von Rechten von Autofahrern. »Es ist offensichtlich, dass es jahrelang keine echten Strafen für die geben wird, die den Nutzern einen schlechten Service bieten«, kritisierte hingegen Italiens Verbraucherschutzverband. Zudem warnte die Organisation davor, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Gebühren ausgleichen. Insgesamt gibt es in Italien etwa 7.000 Kilometer an Autobahnen. Im Unterschied zu Deutschland, wo für die Benutzung keine Gebühr erhoben wird, muss für den allergrößten Teil Maut gezahlt werden. Europaweit sind die Gebühren in Italien und Frankreich am höchsten. Pro gefahrenem Kilometer werden nach Angaben von Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig. In andere Länder wie Österreich oder die Schweiz werden Vignetten benötigt, also Zeitkarten für einen bestimmten Zeitraum bis hin zu einem Jahr.