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16.03.2026
07:39 Uhr
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Die von der Bundesregierung versprochene wirtschaftliche Erholung hatte begonnen. Jetzt kommt Donald Trump dazwischen.

Der Plan hätte aufgehen können. Immerhin hatte die deutsche Wirtschaft zuletzt wieder Fahrt aufgenommen. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres war das Bruttoinlandsprodukt um 0,3 Prozent gestiegen, und für das laufende Jahr zeichnete sich ein weiterer Anstieg ab. Deutschland war dabei, die seit Jahren anhaltende Stagnationsphase zu überwinden – auch weil die Regierung viele Milliarden für die Infrastruktur und die Bundeswehr ausgibt. Mit dem Krieg im Nahen Osten ist dieses Erholungsszenario in Gefahr. Denn steigende Energiekosten belasten die Konjunktur. Wenn mehr Geld für Treibstoffe ausgegeben werden muss, bleibt weniger Geld für den Kauf heimischer Waren und Dienstleistungen. Ein Anstieg der Ölpreise kommt volkswirtschaftlich betrachtet einem Transfer von Ressourcen an ölproduzierende Länder gleich. Und durch die Straße von Hormus wird nicht nur Öl verschifft. Auch viele andere Rohstoffe werden infolge der Kampfhandlungen knapp. Das gilt vor allem für Düngemittel, die in der Landwirtschaft benötigt werden. Die Folge: steigende Preise für Lebensmittel, was vor allem für die armen und ärmsten Länder ein Problem ist, aber auch Deutschland treffen wird. Hinzu kommt: Der Anstieg der Preise – also eine höhere Inflation – setzt die Notenbanken unter Druck. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass die Inflationsrate im Fall anhaltender Kampfhandlungen um bis zu einem Prozentpunkt höher ausfallen könnte als vor dem Kriegsausbruch prognostiziert. Das könnte dazu führen, dass die Europäische Zentralbank die Zinsen erhöht (oder sie weniger schnell senkt), um die Teuerung unter Kontrolle zu halten. Das wiederum bedeutet: Kredite werden teurer, was den Immobiliensektor trifft und auch den Staatshaushalt belastet, weil die Sonderprogramme für Brücken, Straßen und die Landesverteidigung über Schulden finanziert werden. An den Finanzmärkten wird ein solches Szenario bereits eingepreist: Die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen ist in den vergangenen Tagen um 0,3 Prozentpunkte gestiegen. Und schließlich lehrt die Erfahrung: Unternehmen brauchen Planungssicherheit, wenn sie größere Investitionsprojekte tätigen. Im Moment aber kann niemand sagen, wie sich die Lage im Nahen Osten weiterentwickelt und welche Staaten möglicherweise noch in den Krieg hineingezogen werden. Das wird dazu führen, dass Investitionen im Zweifel erst einmal aufgeschoben werden – was die Wirtschaft zusätzlich belastet. Hohe Preise, teures Geld, steigende Unsicherheit: Das sind keine guten Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Münchner ifo Institut geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt in einem Eskalationsszenario mit weiter steigenden Ölpreisen in diesem Jahr nur noch um 0,6 Prozent wächst. Die Zahl der Arbeitslosen würde nicht wie ursprünglich vorhergesagt sinken, sondern steigen (auf rund drei Millionen im Jahresschnitt). Nun verhält es sich mit dieser Prognose wie mit jeder Prognose: Sie kann auch falsch sein. Womöglich hält das Regime in Teheran doch nicht mehr lange durch, womöglich normalisieren die Rohstoffpreise sich schnell wieder. Und ein Wachstum von 0,6 Prozent wäre noch keine Wirtschaftskrise. Aber eben auch kein Aufschwung. Deutschland droht vielmehr ein weiteres verlorenes Jahr. Das wäre auch in politischer Hinsicht ein großes Problem. Eines der wichtigsten Wahlversprechen der Regierung war, dass es in Deutschland wieder aufwärtsgeht. Das ist das Projekt, das diese Koalition zusammenhält. Deshalb gibt es die staatlichen Ausgabenprogramme, und deshalb sind Reformen beim Bürgergeld, bei der Rente und im Gesundheitswesen geplant oder bereits umgesetzt. Wenn dieses Projekt scheitert, wird auch die Koalition als gescheitert betrachtet werden. Dass diese Gefahr nicht bestünde, wenn Donald Trump den Krieg nicht begonnen hätte, wird vermutlich nur wenige Wähler überzeugen. Auch die Ampel wurde für den Energiepreisanstieg verantwortlich gemacht, der letztlich Wladimir Putin und seinem Einmarsch in der Ukraine geschuldet war. Die Welt ist nicht gerecht.