Zeit 18.08.2026
21:00 Uhr

Drohnensicherheit: Dobrindt gegen die Drohnen


Der Vorfall auf dem Leipziger Flughafen offenbarte Lücken in der deutschen Drohnenabwehr. Nun soll ein neues Forschungszentrum die Sicherheit verbessern. Reicht das?

Drohnensicherheit: Dobrindt gegen die Drohnen
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat das Timing an diesem Dienstagmorgen auf seiner Seite. Die Eröffnung eines neuen Technologiezentrum für Drohnensicherheit im sachsen-anhaltischen Cochstedt hätte vor einem Monat wohl kaum jemanden elektrisiert. Zwei Wochen nach einem mutmaßlichen Drohnenanschlag auf den Leipziger Flughafen hingegen kann sich der Minister bei diesem Termin als vorausschauender Macher inszenieren. Als einer, der sich auskennt und auf Probleme reagiert. Und so läuft der Innenminister nicht nur mit bei einem Presserundgang durch den Standort der neuen Forschungseinrichtung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Dobrindt schnappt sich auch kurzerhand das Mikro, verpackt in eine Frage an einen DLR-Experten sein Wissen über verschiedene Drohnenarten und erklärt den Anwesenden die Schwierigkeiten der Drohnenabwehr. 14 Tage ist es her, dass der Leipziger Flughafen offenbar nur knapp einer Katastrophe entkommen ist. Dort wurde ein Quadrokopter in der Nähe einer ukrainischen Frachtmaschine entdeckt, nicht weit davon entfernt ein Sprengsatz. Vieles deutet auf einen Anschlagsversuch hin, manches darauf, dass Russland dahintersteckt . Der Vorfall in Leipzig hat verdeutlicht, wie verwundbar Deutschland ist – und welche Lücken es in der Drohnenabwehr gibt. Das ist auch deshalb brisant, weil Deutschland immer mehr zum Ziel für hybride Angriffe wird. Darunter versteht man Taktiken, die auf die Verunsicherung und Destabilisierung von Gesellschaften abzielen: Cyberangriffe, Desinformation und vermehrt eben auch Drohnen . Allein 2025 gab es dem DLR zufolge 116 relevante Störfälle mit den Fluggeräten an 25 Verkehrsflughäfen in Deutschland. Auch über kritischen Infrastrukturen wie Flüssigerdgasterminals kreisen längst Drohnen. Nun wird diskutiert, wie man sich vor Drohnen schützt, wie man sie erkennt und wie man sie im Notfall abwehrt. Und mit genau diesen Fragen soll sich nun auch das neue Technologiezentrum Drohnensicherheit des DLR befassen. »Es ist ein großer Tag«, sagt Dobrindt in Cochstedt, »weil wir der hybriden Bedrohung etwas entgegensetzen – sichtbar entgegensetzen.« Doch die Frage ist, ob die symbolträchtige Neueröffnung irgendetwas an den Problemen ändert, die der Fall in Leipzig offengelegt hat. Weitere Säule in der Drohnenabwehr Wie wichtig der Termin politisch gesehen wird, zeigt sich auch daran, dass Dobrindt nicht allein zur Eröffnung erschienen ist. Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) sind an diesem wolkenverhangenen Dienstagmorgen nach Cochstedt gereist sind, letzterer merklich kämpferisch mitten in der Endspurtphase des Landtagswahlkampfes. So gelegen der Termin den Unionspolitikern kommt: Allen Beteiligten ist es wichtig zu betonen, dass dieses Drohnensicherheitszentrum keine Reaktion auf den Vorfall in Leipzig ist, sondern schon seit Monaten geplant. »Als der Termin ausgemacht wurde – das braucht ja immer etwas Vorlauf –, hätte man nicht gedacht, dass er in der bundesweiten Wahrnehmung so aktuell ist«, sagte Bär. Tatsächlich hat die Bundesregierung das Thema Drohnenabwehr schon länger auf dem Schirm. Erst im Dezember hat sie ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum errichtet. Das soll eine bessere Koordination zwischen Bundespolizei, Bundeskriminalamt, Bundeswehr und Landespolizeien ermöglichen. Denn wer wann zuständig ist, kommt teilweise auf die Lufthöhe an oder den genauen Ort der Drohnensichtung. Im Februar hat der Bundestag außerdem eine Änderung am Luftsicherheitsgesetz durchgewunken. Die erlaubt es der Bundeswehr künftig, Drohnen in einer Gefahrensituation abzuschießen – etwa bei der Bedrohung von Menschenleben oder einem potenziellen Angriff auf kritische Infrastruktur. Der Innenminister will auch die Drohnenabwehreinheit personell verdoppeln, auf dann 300 Kräfte . Das Technologiezentrum Drohnensicherheit sieht Dobrindt als weitere Säule in der Drohnenabwehr der Bundesrepublik. Schon seit 2021 gibt es in Cochstedt das Nationale Erprobungszentrum für Unbemannte Luftfahrtsysteme. Der ehemalige Flughafen Magdeburg-Cochstedt ist bisher Testgelände für neue Drohnentechnologien, etwa für den Transport von Medizin oder für die Bekämpfung von Waldbränden. Jetzt soll es dort nicht mehr nur um Katastrophenschutz gehen, sondern auch verstärkt um Sicherheit und Verteidigung gegen Drohnen.