Zeit 24.09.2026
11:25 Uhr

Herbstprognose: Wirtschaftsinstitute erwarten doppelt so hohes Wirtschaftswachstum


Führende Wirtschaftsinstitute haben ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 1,3 Prozent angehoben. Sie warnten zugleich vor den Folgen einer »populistisch geprägten Politik«.

Herbstprognose: Wirtschaftsinstitute erwarten doppelt so hohes Wirtschaftswachstum
Die deutsche Wirtschaft hat sich besser erholt als noch im Frühjahr erwartet. Führende Wirtschaftsinstitute rechnen in diesem Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent. In ihrer Frühjahrsprognose waren die Institute von 0,6 Prozent ausgegangen. Auch in den kommenden zwei Jahren erwarten die Experten eine Fortsetzung des Aufschwungs. Für 2027 rechnen sie mit einem Anstieg von 1,1 Prozent, für 2028 mit 0,4 Prozent. »Die Wirtschaft hat sich robuster entwickelt als erwartet. Der Aufschwung steht jedoch auf einem schmalen Fundament, denn hohe Energiepreise und Strukturprobleme belasten«, sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Zunahme der Exporte Als Gründe für die positive Entwicklung nannten die Wirtschaftsinstitute eine Zunahme der Exporte sowie die Ausgaben der Regierung für Verteidigung, Infrastruktur und Klima. Ein andauernder Boom rund um Künstliche Intelligenz konnte demnach zusätzliche Impulse bringen. Die negativen Folgen des Irankriegs sind zudem nicht so schlimm wie befürchtet. »Der mit dem Irankrieg verbundene Energiepreisschock hat die deutsche Wirtschaft zwar gebremst, die höheren Preise für Kraftstoffe und Heizöl sind bislang aber kaum auf die übrigen Verbraucherpreise übergesprungen«, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung. Im Frühjahr hatten die Wirtschaftsinstitute angesichts des Irankriegs noch vor einem »Energiepreisschock« gewarnt und ihre Prognose nach unten korrigiert. Unsicherheit nach den Landtagswahlen Mit Blick auf die Landtagswahlen warnten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute vor einer »in Teilen stärker populistisch geprägten Politik«. Dies könnte »die Attraktivität des Standorts für gut qualifizierte Beschäftigte beeinträchtigen und damit die Demografie bedingt ohnehin zunehmenden Arbeitskräfteengpässe verschärfen«, sagte Oliver Holtemöller vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle. In den vergangenen Wochen sei die politische Unsicherheit im Zusammenhang mit den jüngsten Wahlen und den daraus resultierenden Regierungsbildungen noch gestiegen. Offen sei insbesondere, welche Folgen sich daraus für die wirtschaftspolitische Reformagenda ergeben. Thorsten Schmidt vom Leibniz-Institut Essen (RWI) sprach sich dafür aus, an den angekündigten Reformen festzuhalten. Es führe »kein Weg daran vorbei, harte Entscheidungen zu treffen«, sagte auch Holtemöller. Andernfalls sehe er die Gefahr, dass Deutschland zu viele Schulden macht, was zu einem »Stabilitätsproblem im Euroraum« würde. Die AfD war bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am Sonntag stärkste Kraft geworden, bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin gewann die Linke. Die im Bund regierenden Parteien CDU und SPD büßten stark an Zustimmung ein. Die Position von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist geschwächt, in der SPD wird der Reformkurs der Bundesregierung zunehmend infrage gestellt. Die sogenannte Gemeinschaftsdiagnose wird zweimal im Jahr im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums erstellt. Beteiligt sind das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, das ifo‑Institut, das Kieler Institut für Weltwirtschaft, das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle und das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Essen.