Zeit 01.06.2026
11:35 Uhr

Kunst von Prominenten: Lohnt sich Promi-Kunst?


Udo Lindenberg malt Bilder, Otto Waalkes Kritzeleien: Die Werke von Promis verkaufen sich gut. Sind die Arbeiten auch für Nicht-Fans eine gute Anlageoption? 

Kunst von Prominenten: Lohnt sich Promi-Kunst?
Kürzlich stattete Udo Lindenberg dem westfälischen Wallfahrtsort Werl einen Besuch ab. Die Galerie Walentowski veranstaltete dort eine Vernissage mit 250 Werken des Panikrockers. Lindenberg ist nämlich nicht nur Musiker, er malt und zeichnet auch. Typisch für ihn sind bunte, karikaturenhafte Gemälde, auf denen er sich häufig selbst porträtiert. Zum Beispiel: Udo, auf einem Riesenflamingo reitend. Oben drüber: »Ich mach mein Ding!« Kleinformatige Zeichnungen werden derzeit für 1.700 Euro verkauft, mittelformatige für 21.000 Euro. Für die aktuelle Ausstellung entstanden laut der Galerie Walentowski auch Unikate, die – je nach Größe – zwischen 18.000 und 50.000 Euro kosten. Fast alle seien bereits am Eröffnungstag verkauft worden. Vor 20 Jahren, heißt es, habe ein Lindenberg-Unikat noch 1.500 Euro gekostet. Udo Lindenberg ist längst nicht der einzige Prominente, der zum Pinsel greift. Otto Waalkes, der Komiker, zeichnet und malt, mit Vorliebe Ottifanten. Ex-Tennisprofi Michael Stich, Wimbledonsieger 1991, malt abstrakte Bilder und sagt: »Tennis war mein Beruf, Kunst ist mein Leben.« Der Schauspieler Sylvester Stallone präsentierte 2021 im Museum Ostwall in Hagen 50 Gemälde aus 60 Schaffensjahren. 2023 widmete das Düsseldorfer NRW-Forum der Kunst von 18 Prominenten eine Sammelausstellung. Mit dabei unter anderem der Werber Jean-Remy von Matt, die Schauspielerin Meret Becker sowie der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, der an naive Malerei erinnernde Bilder zeigte. »Kunst von Promis läuft gut«, sagt der Chef eines führenden deutschen Kunstauktionshauses, der nicht genannt werden möchte. Während die etablierte Kunstkritik auf Arbeiten von Prominenten meist reserviert reagiert, sind sie für manche Galerien ein tragfähiges Geschäftsmodell geworden. Doch lohnt es sich auch für Privatpersonen, in Promi-Kunst zu investieren? Oder sollte man, wenn überhaupt, sein Geld in klassische Werke stecken? Wer darüber nachdenkt, sollte sich zunächst klarmachen, dass der Kunstmarkt anders funktioniert als der Finanzmarkt. Ein gutes Kunstwerk setzt Gedanken in Bewegung. ETFs hingegen sind abstrakt und eignen sich ausgesprochen schlecht als Wandschmuck. Sie versprechen finanziellen Mehrwert, aber keinen ästhetischen. Zu beurteilen, welches Kunstwerk Bestand haben wird und sich womöglich auch als Investment lohnt, ist selbst eine Kunst. »Man muss sich auskennen«, sagt die Münchner Kunstberaterin Eva Mueller. Wer die Anlageentscheidung nicht gemeinsam mit Profis treffen will, sollte ihr zufolge erst einmal Zeit investieren und Ausstellungen sowie Kunstmessen besuchen. Die Art Cologne zum Beispiel, die Art Basel oder die Tefaf Maastricht. Kaum ein Monat vergeht ohne Kunstmesse. Auch die Lektüre von Kunstmagazinen erweitert die Urteilskraft. »Man muss sehen und verstehen lernen und ununterbrochen vergleichen«, sagt Mueller. Selbst wenn man sich später in erster Linie für die Arbeiten von Celebritys interessiert, ist es unabdingbar, sich Grundlagenwissen anzueignen, einen Blick für die Qualität von künstlerischer Arbeit zu bekommen. Was ist innovativ? Wo wird nur plagiiert? Gute Kunst zeichnet sich durch kreative Eigenständigkeit aus. Deshalb lohnt auch der Blick auf die Biografie der Künstlerinnen und Künstler: Wo wurden sie ausgebildet? In welchen Häusern stellen sie aus, welche Galerien vertreten sie? Sind Kataloge erhältlich, Monografien, Werkverzeichnisse, Pressetexte? Artprice, nach eigenen Angaben Weltmarktführer auf dem Gebiet von Kunstmarktinformationen, veröffentlicht einmal im Jahr einen Art-Market-Report. Auch die Art Basel legt gemeinsam mit UBS jedes Jahr einen solchen Bericht vor. Für Investoren gehören sie zur Pflichtlektüre. Eine weitere Frage lautet, in welcher Größenordnung man überhaupt denkt. Geht es um ein einmaliges Investment, sozusagen einen kleinen Kunstkauf zwischendurch? Dann sind 1.000 Euro ein geeignetes Budget. Dafür erhält man nicht unbedingt ein Unikat, wohl aber mitunter ein Blatt aus einer Auflage – auch von großen Namen wie Warhol, Beuys oder Penck. Museen und Galerien bieten hochwertige Grafiken und Drucke in Auflagen von 20 oder 50 Stück und zu erschwinglichen Preisen an. Bei der Kölner Messe Discovery Art Fair gibt es gute Arbeiten sogar schon für dreistellige Beträge. Ist die Auflagenzahl überschaubar und der Künstler anerkannt, ist spätere Wertsteigerung nicht ausgeschlossen. Beuys und Warhol gingen nach den Worten von Eva Mueller zuweilen verschwenderisch mit den Auflagen um – da sind dann keine großen Preissprünge mehr zu erwarten. Wer hingegen eine Sammlung aufbauen möchte, deren Wert möglichst kontinuierlich steigt und die sich vielleicht sogar vererben lässt, sollte grundsätzlicher an die Sache herangehen. Dann empfiehlt es sich, zunächst sich selbst zu befragen: Welche Stilrichtungen sprechen einen überhaupt an? »Freude an der Kunst ist wichtig. Sonst ist man auf dem Aktienmarkt besser aufgehoben«, sagt Mueller. Promi-Kunst ist nach wie vor ein Randphänomen. In den Augen zahlreicher Kunstexperten handelt es sich nicht um Kunst, sondern um Fanartikel. Sie leben noch stärker als klassische Kunst vom Namen des Urhebers. »Der Name ist das, was alle wollen«, sagt die Kölner Kunstvermittlerin Nicole Ströll. Wobei Promi-Kunst nicht zwingend ideenlos sein muss. Udo Lindenberg etwa hat schon verschiedene Stile ausprobiert. Mitte der Neunzigerjahre mischte er Aquarellfarben mit Likören, daraus entstanden seine »Likörelle«. Auch Otto zeichnet und malt wiedererkennbar und mit Humor. Popularität allein genüge jedoch nicht, gibt Ströll zu bedenken. »Es muss qualitativ nachgelegt werden.« Bei der Kunst von Prominenten gilt es allerdings, weitere Unwägbarkeiten zu beachten: Wann zum Beispiel ist der Moment gekommen, um sich von einem Werk zu trennen, weil sein Wert womöglich sinken könnte? Interessiert sich im Jahr 2060 noch jemand für Ottifanten und Likörelle, wenn Waalkes und Lindenberg schon viele Jahre tot sind? Werden die Nachlässe gepflegt, bleiben die Namen präsent, lassen sich die Werke weiterverkaufen? »Das geht in Richtung Hellseherei«, sagt Nicole Ströll. Der Index Artprice100 spiegelt wider, wie sich die Arbeiten der 100 weltweit wichtigsten Künstler, der sogenannten Blue-Chip-Künstler, im Wert entwickeln. Von 2000 bis 2024 erzielte er höhere Steigerungsraten als der Aktienindex S&P500. Um abzuschätzen, wie sich das Gemälde eines künstlernden Schauspielers entwickelt, ist der Artprice-Index jedoch untauglich, weil er auf einem ganz anderen Marktsegment beruht. Als Indikator müssen daher Auktionen herhalten. Wenn sich ein Promi-Kunstwerk dort erfolgreich, also zu einem höheren Preis, weiterverkaufen lässt, dann ist es mehr als nur Merchandise. Michael Stich gelang das 2023 bei einer Auktion in München. Der Schätzwert seines versteigerten Bildes lag bei 10.000 Euro, erzielt wurden 15.240 Euro. Eine Fotografie des Rockmusikers Bryan Adams fand 2017 bei einer Kölner Auktion für 8.060 Euro einen Käufer, der Schätzwert lag bei 5.000 bis 6.000 Euro. Peter Doherty, ebenfalls Rockmusiker, war hingegen kein so großer Erfolg beschieden, als er 2012 in London ein Gemälde versteigern ließ. Der Schätzwert lag bei 50.000 bis 80.000 Pfund, verkauft wurde es für 35.000 Pfund. Schnelles Geld ist auf dem Kunstmarkt eher nicht zu machen. Der Prozess der Preisbildung braucht Zeit. Wie schon das Bonmot besagt: Ars longa, vita brevis. Die Kunst ist lang, das Leben kurz. Wird jemand in jungen Jahren im Nullkommanichts hoch gehandelt, »ist Vorsicht geboten«, rät Nicole Ströll. »Dann kann schnell eine Blase entstehen.« Wer Geduld mitbringt und ein Faible für Kunst hat, aber weder Messen besuchen noch Kataloge studieren möchte, kann auf eine andere Form des Kunstinvestments ausweichen: Unternehmen wie die US-Firma Masterworks oder das Düsseldorfer Haus Arttrade verkaufen tokenisierte Anteile an Portfolios mit etablierten Werken, die von den Unternehmen zuvor angekauft wurden. Bei Arttrade beträgt die Laufzeit durchschnittlich fünf Jahre, der Einstieg ist ab einem Betrag von 1.000 Euro möglich. Am Ende der Laufzeit werden die Werke verkauft und die Erlöse anteilig ausgeschüttet. Ins Wohnzimmer hängen kann man sich diese Kunst dann allerdings nicht.