Zeit 05.10.2026
04:07 Uhr

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Flávio Bolsonaro und Lula da Silva ziehen in die Stichwahl


Nach Auszählung fast aller Stimmen kommt der ultrarechte Flávio Bolsonaro auf knapp 47,4 Prozent der Stimmen. Auf Amtsinhaber Lula entfallen demnach rund 44,6 Prozent.

Präsidentschaftswahl in Brasilien: Flávio Bolsonaro und Lula da Silva ziehen in die Stichwahl
Die Präsidentenwahl in Brasilien wird sich in einer Stichwahl zwischen dem linken Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und dem ultrarechten Senator Flávio Bolsonaro entscheiden. Nach Auszählung von rund 99 Prozent der Stimmen kam Lula laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 44,6 Prozent, sein ultrarechter Gegner auf 47,4 Prozent – beide verfehlten damit die für einen Sieg im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit. Da keiner der Kandidaten mehr ​als 50 Prozent der gültigen Stimmen auf sich vereint, treten Bolsonaro und Lula am 25. Oktober in einer Stichwahl gegeneinander an. Knapp 160 Millionen Menschen im bevölkerungsreichsten lateinamerikanischen Land waren zu den Wahlen aufgerufen. Wahlkampf von Polarisierung geprägt Der Wahlkampf war von Polarisierung geprägt . Lula von der Arbeiterpartei PT steht für die Fortsetzung seiner seit 2023 betriebenen Politik mit Sozialprogrammen, öffentlichen Investitionen und einer stärkeren Rolle des Staates. Seine Bilanz der laufenden Amtszeit fällt unterschiedlich aus: Die Arbeitslosigkeit sank, der Mindestlohn wurde angehoben, und die Abholzung im Amazonasgebiet ging zurück. Zugleich belasten steigende Lebenshaltungskosten, hohe Staatsausgaben und Schulden sowie Korruptionsaffären die Regierung. Flávio Bolsonaro von der Liberalen Partei PL verspricht dagegen einen schlankeren Staat, Ausgabenkürzungen und eine härtere Linie gegen Kriminalität. Flávio Bolsonaro ist der Sohn des rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro, der wegen eines Putschversuchs gegen Lula zu 27 Jahren Haft verurteilt wurde und unter Hausarrest steht. Neben dem Präsidenten haben die Brasilianer und Brasilianerinnen auch alle ‌513 Mitglieder des Unterhauses sowie zwei Drittel des Senats bestimmt. Die Wahl in Brasilien gilt als Richtungswahl. Ein Erfolg Flávio Bolsonaros würde den Rechtsruck in Lateinamerika weiter vorantreiben. In den vergangenen Jahren waren mehrere Länder durch Wahlen deutlich nach rechts gerückt. Ein Sieg Lulas würde dagegen Brasilien neben Mexiko als große linke Bastion in der Region erhalten. Vorwürfe einer Einmischung der USA Der Wahlkampf ​war geprägt von Sorgen über die Wirtschaft, Sicherheit sowie von Vorwürfen einer Einmischung der USA. Nach seiner Stimmabgabe hatte der amtierende Präsident Lula einen härteren Kurs gegenüber den USA angekündigt. Er müsse bei einer Wiederwahl »das Doppelte von dem tun, was wir getan haben«, sagte er. Lula hatte wiederholt vor einer Einmischung Trumps in die brasilianische Wahl gewarnt. Die Trump-Regierung hatte unter anderem hohe Zölle auf brasilianische Exporte verhängt, dem brasilianischen Botschafter das Visum entzogen und einen Richter des obersten Gerichts mit Sanktionen belegt, der die Ermittlungen gegen den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro leitete. Flávio Bolsonaro setzt dagegen auf eine enge Zusammenarbeit mit Trump. Er betont seine Nähe zum Weißen Haus und fordert bessere Vereinbarungen mit den USA, unter anderem bei seltenen Rohstoffen. Zugleich verspricht er, gegen kriminelle Gruppen vorzugehen und seinen Vater Jair Bolsonaro aus dem Hausarrest zu befreien und in die Politik zurückzubringen. Jair Bolsonaro war ein enger Verbündeter von US-Präsident Donald Trump. Lula nennt Wahlergebnis in Brasilien »unerwartet« Lula da Silva reagierte überrascht auf seine Niederlage. Dass er gegen Flávio Bolsonaro keinen Sieg eingefahren habe, sei »unerwartet« gewesen, sagte er am Sonntag. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich für die Stichwahl in drei Wochen. »Ich gebe zu, dass ich überzeugt war, in der ersten Runde zu gewinnen«, sagte Lula vor Anhängern in São Paulo kurz nach der Auszählung fast aller Stimmen. »Das Spiel fängt gerade erst an. Wir befinden uns in der Verlängerung«, fügte er in Anspielung auf die Regeln beim Fußball hinzu. »In der Verlängerung werden wir das brasilianische Volk für uns gewinnen«, sagte er. Sein Herausforderer Bolsonaro äußerte sich ebenfalls zuversichtlich. »Ich bin sehr zufrieden (...) und sehr glücklich über die Aussicht, dass Brasilien in drei Wochen eine endgültige Entscheidung treffen kann«, sagte er im Bezug auf die Stichwahl am 25. Oktober in einer Rede in der Hauptstadt Brasília.