Zeit 03.06.2026
18:39 Uhr

Raumfahrt: Wie ein Handtuch am Pool, aber für den Mond


Mit Drohnen will die Nasa ein großes Terrain am Südpol des Mondes für sich reklamieren. Ein riskanter Verzweiflungsakt, denn die Chinesen werden wohl zuerst da sein.

Raumfahrt: Wie ein Handtuch am Pool, aber für den Mond
Eine desaströse Woche für das amerikanische Mondprogramm Artemis: Binnen weniger als sieben Tagen kündigte der ärgste Konkurrent Fortschritte an, und eine US-Rakete explodierte spektakulär. Ja, die Nasa gibt nach wie vor an, als erste Nation seit 1972 wieder Menschen auf den Mond schicken zu wollen. Gleichzeitig aber hat sie einen Plan erläutert, der von Nervosität zeugt. Und von der Furcht, vielleicht doch nur Zweiter zu werden. Alles beginnt mit einem Namen, der an einen Katastrophenfilm erinnert, oder zumindest an James Bond: Moonfall. So heißt die Mission, die das Jet Propulsion Laboratory der Nasa als robotische Vorbereitung einer astronautischen Landung plant: Vier Landesonden sollen über dem Mondsüdpol abgesetzt werden. Sie können mittels kleiner Triebwerke über die Oberfläche hüpfend weite Strecken zurücklegen, um an zahlreichen Orten Messdaten zu sammeln und Fotos zu schießen. »Wir wissen so wenig«, beschrieb Nasa-Chef Jared Isaacman die Motivation dieses Vorhabens. Nur 80 Stunden seien die Apollo-Astronauten auf der Mondoberfläche unterwegs gewesen, und das vor einem halben Jahrhundert. Jetzt ist metergenaue Vermessung geplant; darum sollen die robotischen Pfadfinder her. So lautet die Botschaft am Dienstag vergangener Woche bei einer Pressekonferenz im Nasa-Hauptquartier in Washington, D. C. Konfliktpotenzial verheißt das Ende der Moonfall-Mission. Denn zum Abschluss ihres Pfadfinder-Jobs sollen die Sonden dauerhaft an den äußeren Ecken des erforschten Gebiets stehen bleiben. Man wolle »die Umgrenzung für eine Mondbasis mit drei oder vier lunaren Drohnen markieren«, sagte Carlos Garcia-Galan, verantwortlicher Nasa-Manager für den Aufbau der Mondbasis. Ja, richtig: Die Nasa nennt die eigentlich ganz niedlichen Hüpf-Sonden »Drohnen«. »Wir wollen sie an den Ecken der Bereiche aufstellen, die für uns entweder wissenschaftlich interessant sind, oder in denen wir die Mondbasis bauen wollen.« Die Ausführungen Garcia-Galans, ebenfalls vom Dienstag aus Washington, stehen als Video online , einschließlich einer Illustration, auf der gestrichelte Linien, die von einer der Moonfall-Sonden ausgehen, einen Mondkrater absperren wie die Drähte eines Weidezauns. Hunderte Quadratkilometer reservieren? Kann man versuchen Und hier wird es heikel. Denn es handelt sich um mehr als einen Landeplatz mit Vorgarten. »Wir gehen davon aus, dass die Mondbasis mehrere Hundert Quadratmeilen umfassen wird«, sagte Garcia-Galan und führte aus: Es befinde sich ja nicht alles Interessante am selben Ort. Etwaiges Wassereis hier, Orte dauerhafter Sonneneinstrahlung dort, ebene Landeplätze wiederum woanders – das alles erinnert stark an jene Karte aus dem Jahr 2022 , auf der die Nasa rund ein Dutzend Flächen am zerklüfteten Südpol des Erdtrabanten als interessante Landepunkte ausgewiesen hatte. Wollen die Amerikaner nun mehrere oder gar alle davon durch Moonfall für sich reservieren? Um den Chinesen zuvorzukommen? Die könnten sich dann bald in der Situation jener Hotelgäste wiederfinden, die nach dem Frühstück als Erste zum Schwimmen kommen, aber verärgert feststellen müssen, dass die besten Liegen längst blockiert sind. Da hat schon jemand sein Handtuch ausgebreitet! Was dann: respektieren oder ignorieren? Schon am Pool ist das eine Situation mit Eskalationspotenzial. Auf dem Mond könnte es zu riskanten politischen Verwerfungen führen.