Zeit 14.03.2026
09:51 Uhr

SHIFTphone 8.1 und Volla Phone Quintus: Was können Smartphones "Made in Germany"?


Mehr Datenschutz und Nachhaltigkeit anstatt KI-Gedöns: Die Hersteller Shift und Volla entwickeln Android-Smartphones, die auch ohne Google laufen. Wir haben sie getestet.

SHIFTphone 8.1 und Volla Phone Quintus: Was können Smartphones
Digitale Souveränität beginnt in der eigenen Hosentasche. Oder sie endet. Tatsächlich sind Smartphones der Boss-Gegner für viele Menschen , die sich unabhängiger machen möchten von den großen Tech-Konzernen aus den USA. Wer ein iPhone benutzt, ist Apple komplett ausgeliefert. Bei Geräten mit Android gibt es zwar viele Hersteller, doch um die integrierten Google-Dienste führt bei den meisten kein Weg herum. Wer unabhängiger sein möchte, mehr Kontrolle über seine Daten behalten will und sich eine nachhaltigere Produktion wünscht, muss sich nach alternativen Anbietern umsehen. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Fairphone aus den Niederlanden, das mit Langlebigkeit, Reparierbarkeit und fairen Arbeitsbedingungen wirbt, und das inzwischen als "entgoogelte" Variante, also ohne vorinstallierte Google-Apps, erhältlich ist. Doch auch aus Deutschland gibt es Alternativen. DIE ZEIT hat sich zwei davon angeschaut: Das Volla Phone Quintus aus dem vergangenen Jahr, sowie das SHIFTphone 8.1 des hessischen Unternehmens Shift. Wie schlagen sich die deutschen Smartphones im Alltag? Und wie ist das, so (fast) ohne Google? Android ohne Google? Das Volla Phone Quintus erscheint mit dem angepassten Android-System Volla OS ohne Googledienste. Das SHIFTphone 8.1 wird standardmäßig mit ShiftOS inklusive Google-Apps ausgeliefert. Käuferinnen können es aber auch über die Website des französischen Unternehmens Murena bestellen. Hier ist dann, wie beim Fairphone, e/OS vorinstalliert. Im Test konzentrieren wir uns auf diese Version, denn es soll ja um digitale Unabhängigkeit gehen. Bevor es um die Hardware geht, zunächst ein paar Erklärungen zu Android ohne Google. Das Betriebssystem ist prinzipiell eine Open-Source-Software: Der Quellcode lässt sich anpassen, weshalb Hersteller wie Samsung oder Xiaomi basierend auf dem Grundgerüst ihre eigene Android-Variante für ihre Geräte entwickeln. Diese enthalten dennoch ein proprietäres Softwarepaket namens Google Mobile Services (GMS). Dazu gehören Apps wie der Play Store, Maps, Chrome und Gmail, bei deren Nutzung die Nutzerinnen eine Menge Analyse- und Nutzungsdaten mit dem US-Unternehmen teilen. Android-Systeme wie Volla OS, e/OS, LineageOS oder GrapheneOS verzichten dagegen auf die GMS. Weil aber zahlreiche Apps diese Komponenten voraussetzen, etwa für Benachrichtigungen oder zur Standortbestimmung, versuchen die Systeme, die Komponenten zu simulieren oder zumindest so nachzubauen, dass sie weniger Daten teilen. Die Apps selbst kommen über alternative App Stores wie F-Droid, in dem es ausschließlich Open-Source-Software gibt, den Aurora Store oder die App Lounge von e/OS aufs Handy. Die schalten sich quasi als Vermittler zwischen Nutzer und App Store und reichen die Apps von den offiziellen Google-Servern an die entgoogelten Endgeräte weiter. Flexibilität ist Trumpf Das hat Vor- und Nachteile. Einerseits erfährt Google nicht, wer welche Apps herunterlädt, da die alternativen App Stores anonyme Sitzungen erlauben. Andererseits kann es aber auch zu Problemen mit individuellen Anwendungen kommen, etwa mit zuvor gekauften Apps oder mit Apps, die spezielle Sicherheitsanforderungen haben. Auch basieren Betriebssysteme wie Volla OS oder e/OS meist nicht auf der aktuellsten Android-Version, sondern sind nicht selten ein, zwei Jahre hintendran, was das Grundgerüst angeht. Auch in meinem folgenden Test hat nicht alles reibungslos geklappt. Um die Bezahlversion eines Musikplayers zu installieren, den ich in der Vergangenheit über den Google Play Store gekauft hatte, habe ich mich auf dem Volla Phone Quintus über den Aurora Store mit meinem Google-Konto angemeldet. Das sollte man natürlich, wenn, dann nur mit einem Google-Konto tun, das man für sonst nichts verwendet. Aber in dem Fall wollte ich meinen Kauf wiederherstellen. Tatsächlich konnte ich die Bezahlversion auch installieren, in der App wurde mir dann aber mitgeteilt, dass die Lizenz nicht gefunden wurde. Über die App Lounge von e/OS auf dem SHIFTphone hat es funktioniert. Dafür konnte ich dort keine Vogelstimmen über die App Merlin aufnehmen – ein bekanntes Problem unter e/OS (und fast schon ein Dealbreaker für mich, denn ich liebe Merlin). Immerhin konnte ich die App meiner Bank auf beiden Systemen einrichten, obwohl ich öfter gelesen habe, dass Banking-Apps, die über alternative App Stores installiert werden, Probleme machen können. Die gute Nachricht, um ein erstes Fazit vorwegzugreifen: Insgesamt musste ich während des Tests mit beiden deutschen Smartphones nur auf wenige Apps verzichten. Trotzdem sollte man sich bewusst sein, dass man bei einem Wechsel auf ein googelloses Android-Smartphone flexibel sein muss, weil manche Anwendungen nicht funktionieren oder zusätzliche Einstellungen erfordern, die man erst mithilfe der Suchmaschine seiner Wahl herausfindet. Etwas Frustration geht mit dem Wechsel einher. Das ist nicht abschreckend gemeint, im Gegenteil: Sowohl bei der Nutzung des Volla Quintus als auch des SHIFTphone ist mir bewusst geworden, wie abhängig meine digitale Präsenz von Google ist – und wie befreiend es ist, sich mit Alternativen zu beschäftigen.