Zeit 01.10.2026
09:44 Uhr

USA: Zum Tode verurteilte Frau überlebt Hinrichtung in Tennessee


Eigentlich hätte Christa Pike wegen eines Mordes, der 30 Jahre zurückliegt, hingerichtet werden sollen. Doch es gab offenbar Probleme mit der Giftspritze.

USA: Zum Tode verurteilte Frau überlebt Hinrichtung in Tennessee
Im US-Bundesstaat Tennessee ist die geplante Hinrichtung ​der zum Tode verurteilten Christa Pike mit der Giftspritze gescheitert. Die Gefängnisbehörde teilte mit, dass die 50-Jährige die Vollstreckung der Todesstrafe überlebt habe. Sie sei mit einem Krankenwagen aus dem ​Hochsicherheitsgefängnis Riverbend in Nashville in ein Krankenhaus ⁠gebracht worden. Ihr genauer Zustand ist bisher unklar. »Um 20.26 Uhr berichteten Zeugen der Hinrichtung, dass die Vollstrecker beide Spritzen mit den tödlichen Chemikalien injiziert hätten und Pike noch am Leben sei und schnarche«, heißt es in einem Gerichtsdokument. Die Gefängnisbehörde teilte mit, alle Schritte des rechtlich vorgeschriebenen und genehmigten Ablaufplans seien eingehalten worden. Die für die Giftspritze verwendete Substanz – es handelt sich um Pentobarbital – sei in der Vergangenheit »stets wirksam« gewesen. Zu Komplikationen kam es zuletzt aber auch in einem anderen Fall: Im Mai wurde die geplante Hinrichtung ‌eines Mannes in Tennessee abgebrochen, weil keine geeignete Vene für die Giftspritze gefunden werden konnte. Gouverneur setzt alle Hinrichtungen aus »Der Bundesstaat Tennessee ist erneut daran gescheitert, eine rechtmäßige Hinrichtung durchzuführen«, zitierte der Sender CBS News aus einem Statement von Pikes Anwälten. Über den medizinischen Zustand ihrer Mandantin wurden diese demnach nicht informiert. Gouverneur Bill Lee ordnete inzwischen eine unabhängige Untersuchung an. Er setzte zudem die für dieses Jahr geplanten Hinrichtungen in seinem Bundesstaat aus. Die Hinrichtung von Pike war noch kurz vor dem Vollzug von einem Gericht gestoppt worden. Dann gab der Supreme Court einem Eilantrag der Gefängnisbehörde von Tennessee statt und setzte damit den von einer unteren Instanz verhängten Vollstreckungsstopp außer Kraft. Mit Pike wollte der Bundesstaat Tennessee erstmals seit 200 Jahren wieder ein Todesurteil ‌an ⁠einer Frau vollstrecken. ​Pike war im Januar 1995 im Alter von 18 Jahren an ⁠der Ermordung einer 19-jährigen Mitschülerin ​in Knoxville beteiligt. Zusammen mit ihrem damaligen Freund und einer dritten ‌Person lockte sie das Opfer ‌den Ermittlungen zufolge in ein Waldgebiet, wo es gefoltert ​und getötet wurde. Die Frau gestand die Tat und wurde 1996 zum Tode verurteilt. Ihr Freund erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Anwälte verweisen auf Kindheitstrauma und psychische Erkrankungen Nach ​Angaben der Strafvollzugsbehörde von Tennessee wurde Pike im August 2001 nach einem Angriff auf eine andere Insassin zudem wegen versuchten Mordes verurteilt. In ‌einem Gnadengesuch hatten ihre Anwälte auf schwere Kindheitstraumata, sexuellen ​Missbrauch und psychische Erkrankungen verwiesen. Hinrichtungen von Frauen sind in den USA ⁠äußerst selten. Seit ​der Wiederzulassung der Todesstrafe im Jahr ‌1976 wurden landesweit 1.683 Menschen hingerichtet, darunter 18 Frauen.